Neugierig erkunden Mara und Nashik ihre neue Anlage im Tierpark Gotha. Am Freitag, dem 30. Oktober 2026, wurden
die beiden Tiger bei einem gemeinsamen Pressetermin vorgestellt. Während Mutter und Sohn zusammenleben,
bewohnt die bereits im Juni eingezogene Tigerin Aurora eine eigene, separate Anlage. Damit haben insgesamt drei
Tiger mit unterschiedlichen Lebensgeschichten in Gotha ein Zuhause gefunden.
Oberbürgermeister Knut Kreuch, Tierparkleiter Patrick Prüß und Tierpfleger Roy Schubert aus dem Bereich der
Raubtiere gaben Einblicke in die Eingewöhnung und die tägliche Betreuung der Tiere. Zugleich bot der Termin
Gelegenheit, die neu gestaltete Tigeranlage vorzustellen und über die weitere Entwicklung des Tierparks zu berichten.
Die beiden Tiger waren am 15. Oktober wohlbehalten in Gotha angekommen. Den Transport nach Deutschland hatte
der erfahrene Spezialist für Zootiertransporte Roy Smith übernommen. „Ich freue mich sehr, dass die Tiger endlich
da sind und der Transport so problemlos verlaufen ist“, erklärte Tierparkleiter Patrick Prüß. Nach ihrer Ankunft
erhielten die Tiere zunächst Zeit und Ruhe, um ihre neue Umgebung und ihre Bezugspersonen kennenzulernen.
Inzwischen nutzen sie die verschiedenen Bereiche ihrer Anlage ausgiebig.
Die 13-jährige Mara und ihr 10-jähriger Sohn Nashik stammen aus dem ehemaligen Filmtierpark Eschede.
Nach dessen Schließung wurden sie vorübergehend in der spanischen Auffangstation Primadomus der
Tierschutzorganisation AAP betreut, während in Gotha ihre neue Unterkunft entstand.
Mara ist die Tochter der im Mai verstorbenen Tigerin Indira, Nashik deren Enkel. Mit ihrer Aufnahme setzt
der Tierpark die bereits mit Indira begonnene Übernahme von Verantwortung für diese Tiere fort.
Mutter und Sohn wurden schon in Spanien erfolgreich wieder zusammengeführt. Auch in Gotha verbringen sie
viel Zeit miteinander. Dabei hat häufig die deutlich kleinere, orange-schwarz gestreifte Mara das Sagen.
Ihr weißer Sohn Nashik folgt ihr trotz seiner stattlichen Größe.
Die neue Anlage bietet den beiden Klettermöglichkeiten, Kratzbäume, erhöhte Holzhäuser und Wasserbecken.
Im Tigerhaus stehen geschützte Rückzugsbereiche und eine Fußbodenheizung zur Verfügung. Zugleich ist die
Anlage so konzipiert, dass beide Tiere bei Bedarf jeweils einen eigenen Innenbereich und Außenbereich nutzen
können. Zur Fütterung werden sie getrennt, damit jeder seine vorgesehene Portion in Ruhe aufnehmen kann.
Nashik wurde kastriert, um eine Fortpflanzung zwischen den verwandten Tieren auszuschließen.
Aurora hat ihren eigenen Platz gefunden
Bereits im Juni kam die zehnjährige Tigerin Aurora aus dem Serengeti-Park Hodenhagen nach Gotha.
Dort hatte sie mit mehreren Tigern zusammengelebt. Da es innerhalb der Gruppe zunehmend zu
Auseinandersetzungen kam, wurde für Aurora ein geeigneter neuer Lebensplatz gesucht. Der Tierpark Gotha
konnte ihr diesen in der nach Indiras Tod frei gewordenen Anlage bieten. Ihre Aufnahme ist damit auch ein
Beispiel für die gegenseitige Unterstützung zoologischer Einrichtungen im Sinne des Tierwohls.
Aurora hat sich inzwischen ebenfalls gut eingelebt. Sie bewohnt das für die Tigerhaltung umgebaute ehemalige
Bärengehege mit dem zugehörigen Tigerhaus. Ihre Haltung erfolgt unabhängig von Mara und Nashik. Tiger
leben in freier Wildbahn überwiegend als Einzelgänger. Ob Tiere in menschlicher Obhut gemeinsam gehalten
werden können, hängt von ihrer individuellen Verträglichkeit ab. Die beiden Anlagen ermöglichen es dem
Tierpark, diesen unterschiedlichen Bedürfnissen Rechnung zu tragen.
Unterstützung für die Tiger und den Tierpark
Auch persönlich engagieren sich die Unterstützer für die drei Tiger: Rüdiger Topf, Geschäftsführer der
rp Gotha GmbH und als Architekt an der Planung der Tigeranlagen beteiligt, hat die Patenschaft für Aurora
übernommen. Maximilian Fulsche, Geschäftsführer der Bystronic Maschinenbau GmbH Gotha, ist Pate von
Mara. Die ehemalige Tierparkleiterin und Fachtierärztin für Zoo-, Wild und Gehegetiere Dr. Angelika Wimmer
begleitet Nashiks weiteren Weg als Patin. Sie hatte die Entwicklung der Tigeranlagen und die Vorbereitungen
für die Aufnahme der Tiere maßgeblich mitgestaltet.
Neben Fulsches persönlicher Patenschaft besteht auch eine Partnerschaft zwischen Bystronic und dem Tierpark.
Das Unternehmen unterstützt die Einrichtung seit einer Spendenaktion zum Thüringentag 2025. Ein sichtbares
Zeichen dieser Verbundenheit ist der lebensgroße Stahltiger, den Bystronic dem Tierpark schenkte und der
im Juni seinen Platz auf dem Gelände erhielt.
Weitere Schritte stehen bereits an: Nach Angaben von Patrick Prüß sollen auf die neue Tigeranlage zahlreiche
große und kleine Projekte folgen. Als Nächstes steht die Fertigstellung des neuen Besucherparkplatzes an.
Auch der Eingangsbereich wird derzeit umgestaltet. Darüber hinaus sollen die Haltungsbedingungen weiter
verbessert und die Tieranlagen für Tiere und Gäste attraktiver gestaltet werden.
Die Geschichten von Mara, Nashik und Aurora bieten zugleich Gelegenheit, den Blick auf ihre bedrohten
wildlebenden Verwandten zu richten. Bengaltiger, auch Königstiger genannt, leben vor allem in Indien
sowie in Nepal, Bhutan und Bangladesch. Wilderei und der Verlust ihrer Lebensräume gefährden ihr Überleben.
Tiger gelten weltweit als stark gefährdet. Während in Gotha die langfristige Betreuung der aufgenommenen
Tiere im Mittelpunkt steht, bleibt der Schutz ihrer natürlichen Lebensräume eine zentrale Aufgabe des Artenschutzes.
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